„Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.“ Das ist der in Werberkreisen gleich nach „Weniger ist mehr“ wahrscheinlich am häufigsten gehörte Allgemeinplatz.

Matthias_Hoelkeskamp_Text-BildautorAbgesehen davon, dass mir die Behauptung als Text-Bildautor – wobei ich mich zu fünfzig Prozent beim Bild wie beim Text sehe – eigentlich ziemlich egal sein kann, stellt sich die Frage: Stimmt’s oder stimmt’s nicht?

Zeigen was erklärt

Bevor sie zum Stereotyp mutierte, sollte die Redensart wahrscheinlich etwas ganz anderes ausdrücken: Es gibt Situationen, in denen eine Sache einfach gezeigt werden muss, anstatt sie zu beschreiben. Ansonsten gäbe es keine Video-Tutorials und kein Instagram. Für viele andere Situationen ist es aber längst nicht Fakt, dass das Bild dem Text gegenüber tatsächlich überlegen ist.

Faust VS Helmuth Newton

Die Bibel, Goethes Faust und das Bürgerliche Gesetzbuch kommen als schier endlose Bleiwüsten daher. Soweit das Auge reicht, nichts als Text. Buchstaben und nochmals Buchstaben. Trotzdem käme warhscheinlich niemand auf die Idee, diese mehr oder weniger epochalen Textwerke als weniger bedeutsam oder aussagekräftig als Leonardos Monalisa oder Helmuth Newtons Frauenbilder zu bezeichnen.

Google. Bing, Yahoo

Auch die im Internet quasi allmächtigen Suchmaschinen arbeiten nach dem Text-Prinzip. Sie indizieren Suchbegriffe und bedeutungsverwandte Vokabeln als inhaltliche Relevanzmerkmale. Wer von Suchmaschinen gefunden werden möchte, sollte das Thema Text nicht als lästiges Beiwerk abtun.

Spaß- und Sympathiefaktor

Obwohl kreative und unterhaltsame Texte weniger stringent in die Suchmaschinen-Kasse einzahlen, sind sie trotzdem nicht überflüssig: Sie bringen eine menschlich-soziale Komponente ins Projekt und spielen eine wichtige Rolle im Beziehungs-Management.

Zwischenfazit

Kurz: Lassen Sie sich kein X für ein U vormachen. Text stiftet Sinn. Und selbst wenn es einmal Unsinn ist, kann auch das mit Hintersinn geschehen.